Wir sind mehr als eine Diagnose

Rückblick vom 12. Mai 2020

Also wo fang ich an – ich bin irritiert, enttäuscht und verärgert.
Ich wollte mir die letzten Wochen unterschiedliche Meinungen bezüglich der möglichen Therapien einholen. Ich wollte klären, fragen, mich austauschen. Aber in vielen Fällen ist folgendes passiert.

Jeder Tumor wird bei der Biopsie eingestuft, es gibt bestimmte Werte, wie zB die Größe, Wachstumsgeschwindigkeit, Aggressivität, usw.

Man bewertet also das unbekannte komplexe Ding – so weit so gut, man braucht Richtlinien. Ist mir klar. Was dann aber schließlich und endlich zu folgender Situation führt:

Man betritt den Praxisraum und der Arzt (Behandler, Heilpraktiker, Therapeut usw.) auf der anderen Seite des Tisches blickt kurz hoch, begrüßt und bittet sofort um den Befund. Dort liest er die Werte ab. In meinem Fall sind sie kein Anlass für Jubelsprünge. Aufgrund dieser Werte gibt es internationale Guidelines bzw. übliche Vorgehensweisen (lege artis), die die therapeutischen Maßnahmen empfehlen.
In meinem Fall -> Volles Programm.

Ok soll so sein, ABER ->

„Hier sitzt auch noch ein Mensch,
ich bin nicht nur die Tumorbewertung auf einem Blatt Papier“.

Wir alle sind individuell. Wir sind Mütter, Väter, Kinder von Jemanden.
Wir alle sind in erster Linie Menschen.

Wir sind so viel mehr als nur eine Diagnose mit dazugehörigem Behandlungsplan.

Wir alle haben unsere eigene Geschichte, eigene Ängste, Hoffnungen, Sorgen.

Habt ihr keine persönlichen Fragen an uns?

Sind oder waren sie einer besonderen psychischen Belastung ausgesetzt?
Wie sieht’s mit ihrer Ernährung aus?
Haben Sie mit Chemikalien zu tun?
Wohnen Sie in einem Asbesthaus oder essen Sie zum Frühstpück gern Quecksilber?  😉
Oder sonst etwas das ihren Gesundheitszustand beeinträchtigen könnte?

BITTE – Schaut uns an und nehmt uns wahrmit allem was wir sind.

Ich weiß es gibt immer einen „Therapie-Plan A“, aber ich möchte auch etwas über Plan B oder C erfahren – über andere Möglichkeiten.
Ich möchte so viel mehr wissen.
Ich will verstehen.
Abwiegen.
Mitentscheiden.
Es ist mein Körper.
Meine Konsequenzen.

MEIN LEBEN.

PS: Und im Zuge dessen ein tiefes DANKE an alle, die uns „ganz“ sehen – als „Menschen und Individuen“ und nicht nur als „Krankheit“. Ihr wisst gar nicht wie wichtig ihr für uns seid!