„Heute weine ich“

Freitag später Nachmittag – mein Telefon klingelt. Das Display zeigt den Namen meines Frauenarztes. „Seltsam“ denke ich mir, wir haben doch ohnehin einen Termin für kommenden Dienstag vereinbart.

Ich hebe ab.
„Guten Tag Frau ***, es ist normalerweise nicht meine Art so etwas am Telefon zu besprechen, aber ich möchte keine Zeit verlieren. Die Biopsie des Gewebes hat leider ergeben, dass der Tumor weit aggressiver ist als bisher angenommen.  Eine Chemotherapie ist in diesem Fall dringendst zu empfehlen. (Erste Biopsie –> Ki67 Wert: 15%, Zweite Biospie nach OP->  Ki67 Wert: 80%; dieser Wert beschreibt die Aggressivität bzw  Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors, über 15% wird eine Chemotherapie angeraten). Und da diese Maßnahme unter Umständen zur Unfruchtbarkeit führen kann, sollten wir dringend überlegen Eizellen zu entnehmen, für den Fall eines weiteren Kinderwunsches.

Ich höre nur mehr alles durch Watte und bringe noch ein „Familienplanung ist schon abgeschlossen“ heraus.

„In Ordnung, dann ist es nicht ganz so eilig. Wir können die Details kommenden Dienstag in Ruhe und persönlich besprechen.“

Ich falle in den Sessel und weine – bitterlich und aus tiefster Verzweiflung.
Das erste Mal seit der Diagnose.

Also doch kein Streifschuss, kein „Schuss vor den Bug“, sondern volles Programm.

Ich sage es meinem Ehemann, meinen Eltern und meinen engsten Freunden und auch hier schaffe ich es nicht die Fassung zu wahren.

Heute weine ich.