#4 „Heute gehts zur Biopsie – durch menschenleere Gänge – allein im Warteraum“
Wieder stresse ich mich. Dieses Mal zur Biopsie um 9:00 Uhr. Hatte schon die Befürchtung, dass sie wegen Corona abgesagt wird.
Parkplatz suchen, noch schnell eine rauchen, rein ins KH, Fieber messen, Hände desinfizieren, ich hetze durch menschenleere Gänge – zum Untersuchungsraum. Corona Stille.
„Wir sind aber erst um 10:00 Uhr soweit“….„Aha, ok, na gut.“
Was hätte ich heute morgen für jede weitere geschenkte Minute gegeben. Die Kinder in der Früh wecken gleicht einem hungrigen Löwen ein Stück Fleisch in den Käfig zu werfen, Frühstück vorbereiten, Badezimmer-Zähneputzen-Waschen-Action, während ich den einen Buben anziehe, zieht sich der andere wieder aus, Kindergarten-bring-Chaos, ich bin schon schweißgebadet, bevor ich überhaupt los fahre.
Dann warten wir mal –
ich, meine tausend Gedanken und ein leerer Warteraum“.
10:00 Uhr die Tür geht auf, ich lege mich auf das Behandlungsbett und dann heißt es wieder warten – nach gefühlten 2 Stunden – tatsächlich waren es 30 Minuten – reißt jemand die Tür auf – die behandelnde Ärztin stürmt herein. In meinem Kopf schwebt mir ein zweiter Bildungsweg für sie vor – Krisenmanagerin. Selbstbewusst, zielstrebig, kompromisslos.
„So, los geht‘s… wo ist das jetzt? Rechte Brust? Linke Brust?“
Die Krankenschwester deutet wortlos auf die rechte Brust. Stich – das war die Betäubung (aber eh mit einer „ganz dünnen Nadel“ wurde mir vorher versichert)… und dann werden 6 Gewebeproben herausgestanzt.
Aber „weil man auf Nummer sicher gehen will“ nochmal 4 weitere Stanzen. Juhu.
Klack, klack, klack, klack. Ich muss zugeben es gibt Prickelnderes. Auf die Frage ob es eher gut oder eher schlecht aussieht, kommt die Antwort „Aufgrund des Erscheinungsbildes spricht es eher für etwas Gutartiges, aber die Biopsie ist der Schiedsrichter“.
Sie lächelt… ein Anflug von Mitgefühl? Mitleid? Egal… es beruhigt mich.
„In zwei Wochen haben wir das Ergebnis“.
„Nochmal 2 Wochen?“
Ok, das ist mir jetzt dann doch zu lange um es mit mir allein herumzuschleppen. Noch schnell ein Kaffee aus dem Krankenhaus-Kaffee-Automaten und eine „Komm-runter-Zigarette“ und dann geht’s nach Hause.
Ich informiere meine Familie.
„Bei der Mammographie wurde etwas Auffälliges entdeckt, aber keine Sorge, es wird jetzt mal abgeklärt, wird schon nix sein“.
Meine Familie ist trotzdem beunruhigt… Ich auch.