„Gestreift von einem Baby-Elefanten“

Ich bin gerade am Weg zum Arzt meines Vertrauens.

Und ich mache etwas, dass ich davor noch nie gemacht habe – ich rauche im Auto 🚙 (natürlich ist sonst niemand im Fahrzeug, aber das macht es um keinen Funken besser. Bähhh, grauslich. Ich schäme mich. Aber ich kann nicht anders). Ich explodiere vor Nervosität.

Am Ziel angekommen steige ich aus dem Wagen und mache was? Richtig! Wieder eine rauchen.

Dann betrete ich die Ordination und warte.
Nach ein paar Minuten bin ich dran. Rein ins Zimmer. Ich setze mich.
Ein riesiger mit Ornamenten verzierter Stuhl aus Holz lässt einem ein Gefühl von Sicherheit geben. Und trotzdem habe ich Angst vor dem was kommt.

Mein Arzt ist immer noch überrascht vom Ergebnis der Biopsie, zumal ich vom Alter, Familienhistorie und weiteren Risikofaktoren nicht wirklich ins Beuteschema von Brustkrebs falle. „Aber wir müssen das jetzt so hinnehmen, wie es da steht“.

Er klärt mich über die Erkenntnisse der Biopsie auf. Jeder Tumor wird klassifiziert, eingestuft, bewertet. Und je nachdem wird die Therapie festgelegt.

Bei mir sagen diese Werte eine äußerst günstige Prognose voraus. Puhhh, hui… wiedermal fällt mir ein Stein vom Herzen. Große Erleichterung.

Ich bin optimistisch. Vielleicht hat mich diese ganze Krebs-Sache ja nur gestreift? Als Warnung. Glück im Unglück.Oder noch besser vielleicht ist alles ein Irrtum? Fehldiagnose?
Fehler können ja schon mal passieren…

So wie es jetzt aussieht war es maximal ein Zusammenstoß mit einem Baby-Elefanten 🐘 (weil’s so schön zu aktuellen Lage passt). …kann zwar im schlimmsten Fall auch tödlich enden – ist aber sehr sehr unwahrscheinlich. Im Gegensatz zu einer Kollision mit einem ausgewachsenen Elefanten-Bullen. 🐘💥

Also eher nur ein paar „blaue Flecken“ als „Hallo, Sensenmann“.

Ja so wird’s sein, das ganze ist nur ein Schuss vor den Bug. Aufwachen. Leben ändern. Alles halb so wild. ✅

Er klärt mich über die bevorstehende OP auf. Geplante Therapie -> „Operative Entfernung des Tumors und Hormontherapie und ganz wichtig der niedrige „Ki 67 Wert“ von 15% spricht nicht für eine Chemotherapie“. Ich höre nur „keine Chemo“ und mache innerlich Luftsprünge.
Jahuuuuui!!!! 🙏

Am Ende des Gesprächs frage ich noch, ob ich angesichts der Diagnose irgendetwas tun oder der lassen kann um die Heilung zu begünstigen bzw. die Krebszellen nicht noch zu füttern.

„Weniger Stress, bewusst und gesund essen, Alkohol reduzieren, Rauchen sofort einstellen und regelmäßige Bewegung.“

„Ähhh…. Moment, Moment, was war das Vorletzte?“

Ich weiß, dass mein Frauenarzt alles andere als kleinlich ist. Er hat exakt das richtige Maß an allem. Beobachtend und einschätzend – weder übervorsichtig noch leichtsinnig.
Er ist unfassbar erfahren, wenn er also sagt „rauchen is‘ öha“, dann ist es „öha“.

Ich verabschiede mich und fahre nach Hause.

Ohne Zigarette.

Und in dem Moment weiß ich, dass die Zigarette davor, die letzte meines Lebens war.

(Eh ein Wahnsinn, dass ich das nicht schon viel früher gemacht habe, aber was soll ich sagen – Sucht ist Sucht.)

Und jetzt heißt es warten, in einer Woche hab ich die OP.

Zusatzinformation / Meine Tumor Klassifizierung:

Hormonrezeptor positiv:
Die Tumorzellen sprechen gut auf eine Hormon Therapie an

Ki67: 15%
(Wachstumsgeschwindigkeit der Krebszellen, 10% bedeutet eine langsame Wachstumsrate, während 90% einem sehr raschen Tumorwachstum)

Grading 2 / mäßig differenziert:
(Aggressivität, Abweichung des Tumorgewebe zum normalen Gewebe)